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Praxisbrief Sinn & Leben - Praxis für Naturheilkunde und Psychotherapie - Mandy Protze-Kälberer Waldbreitbach

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Praxisbrief Sinn & Leben

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Konkurrenz oder „Alle in einem Boot“

Eine typische Familiensituation am Sonntag Morgen. Mutter ermahnt die dreijährige Anna, die gerade mit ihrem Brötchen auf der Tischplatte herumschmiert: „Anna, kannst du denn nicht einmal normal essen? Wenigstens am Sonntag.“  „Das ist doch immer so“, murmelt Vater hinter seiner Zeitung hervor, „du hast sie einfach nicht richtig erzogen“.Das Wortgefecht zwischen Mutter und Vater ersparen wir uns an dieser Stelle. Noch mehrfach muss die Mutter Anna ermahnen. Mutter ist sichtlich entnervt. Der mittlere Sohn Hans fängt nach einiger Zeit an gegen das Tischbein zu treten. Jetzt platzt dem Vater der Kragen. Er springt auf, nimmt seine Zeitung und brüllt: „Noch nicht mal am Sonntag kann man in Ruhe frühstücken.“ Beim Rausgehen haut er seinem Sohn Hans die Zeitung um die Ohren. „Ich gehe nachher mit Willi alleine zum Angeln, das ist ja noch der einzig Vernünftige hier. Immer muss er unter den anderen leiden.“ Willi grinst. Was war passiert? Anna hat mit allen Mitteln versucht Aufmerksamkeit zu erregen.

Die Mutter hat Annas Aufmerksamkeitserreichungstaten beantwortet und Anna hat weiter gemacht, denn ihr System hat ja funktioniert. Das hat Hans auch gesehen. Also hat er angefangen gegen den Tisch zu treten. Anna und Hans waren also die bösen Kinder und Willi das liebe Kind. Willi hat die elterliche Zustimmung und die Erhöhung seines Wertes durch den Vater erfahren. Der Vater hat damit die Konkurrenz unter den Kindern gestärkt, denn er hat Willi gegen die anderen ausgespielt. Alle drei Kindern haben bei der ganzen Sache viel Aufmerksamkeit durch die Eltern erfahren. Das Ziel aller drei Kinder ist also hier die Suche nach Anerkennung. Alle drei Kinder können dadurch nicht zum Wohl der Familie beitragen, sondern ihr Interesse ist auf sich selbst gerichtet. Das schlechte Kind muss folglich bei nächster Gelegenheit seine Überlegenheit oder Rache beweisen bzw. seine Geschwister erniedrigen. Die Mutter wurde bei der ganzen Situation noch vor allen Kindern erniedrigt.

Wie hätte es anders laufen können? Sonntag Morgen beim Frühstück. Die jüngste Tochter Anna schmiert mit ihrem Brötchen auf dem Tisch. Die Mutter bittet Anna die Regeln am Tisch einzuhalten. Als sie bemerkt, dass Anna das nicht tut, schickt sie alle drei Kinder nach draußen. Sie sagt: „Ihr verlasst jetzt alle den Tisch, da ihr nicht wisst wie ihr richtig esst.“ Die Kinder gehen nach draußen. Nach einer Viertelstunde ruft die Mutter die Kinder wieder herein. Die Kinder setzen sich wortlos an den Tisch. Alle halten sich an die Regeln. Dies ist auch beim nächsten gemeinsamen Essen so. Die Mutter hat Anna nicht die Aufmerksamkeit für ihr Fehlverhalten gegeben. Sie hat allen drei Kindern ihre Aufmerksamkeit gegeben. Anna hat also keinen Nutzen aus ihren Aktionen und wird sie folglich einstellen. Die Kinder können gemeinsam zum Gelingen des Frühstücks beitragen und halten zusammen. Die Mutter hat ihre Führungsposition beibehalten.
Wir Eltern entscheiden darüber, ob wir Konkurrenz, Spannungen und Kämpfe oder Zusammenhalten und Harmonie fördern, ob wir gute und böse Kinder erziehen oder einfach nur gute.


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