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Praxisbrief Sinn & Leben - Praxis für Naturheilkunde und Psychotherapie - Mandy Protze-Kälberer Waldbreitbach

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Praxisbrief Sinn & Leben

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Raphael

Eigentlich weiß keiner so genau wo er damals herkam, Raphael, der Junge mit den dunklen Locken und den leuchtenden Augen. Irgendwann war er einfach da, so als sei er aus dem Nichts aufgetaucht oder vom Himmel gefallen. Eines steht jedoch fest: Seit er unsere kleine Stadt wieder verlassen hat, ist alles anders als es einmal war.

Nina stand auf dem Schulhof als er sie fragte ob er etwas von ihrem Pausenbrot haben könne.
"Nein", sagte Nina, "das ist mein Brot, wenn ich dir etwas gebe habe ich ja selbst nichts mehr." Der Junge schaute sie ganz verwundert an. Er griff in seine Taschen, lächelte sie an und drückte ihr einen glitzernden Stein in die Hand. "Danke", sagte er, hab noch einen schönen Tag". Dann verschwand er hinter dem Schulgebäude.

Nina hielt den wunderschönen Stein in ihrer Hand. Beim Anblick musste sie an das Lächeln des Jungen denken. Währenddessen schlenderte Raphael über den Marktplatz. Immer wieder blieb er stehen, begrüßte vorbeieilende Leute, schenkte ihnen einen Stein und wünschte ihnen einen schönen Tag. Ich erinnere mich, wie ich an jenem Tag in dem kleinen Lebensmittelladen an der Ecke stand und durchs Schaufenster beobachten konnte, wie einige Stadtbewohner verdutzt stehen blieben, ungläubig den Kopf schüttelten und mit dem Stein in der Hand von dannen gingen. Als die alte Elli in den Laden kam, öffnete sie ihre Hand und zeigte mir einen grünen runden Stein. Und nicht nur das, sie strahlte und zeigte ihre wackeligen Zähne. "Na Elli, du lachst ja", sagte Herr Baumann hinter der Ladentheke. Ja irgendwie hatte er Recht, niemand hatte Elli jemals lachen gesehen. Und als sie ihr Päckchen Butter und ihre Seife bezahlt hatte, kramte sie in ihrer großen Rocktasche und beförderte einen abgewetzten grauen Stein hervor. Sie drückte ihn dem erstaunten Ladenbesitzer in die Hand und sagte: "Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag, Herr Baumann."
Als ich eine Woche später in den Laden kam, lagen viele bunte Steine auf der Theke. In den Taschen der Menschen klapperten die Steine. Jeder begrüßte jeden und gab ihm einen Stein.

Das war wunderschön. Die Menschen fingen an sich zu achten, jeder wünschte dem anderen einen schönen Tag. Und immer mehr Leute hatten ein Lächeln auf dem Gesicht.

Als ich den Jungen auf der Bank im Park sitzen sah, setzte ich mich zu ihm.
"Du hast den Menschen in unserer Stadt ein Lächeln auf die Lippen gezaubert", sagte ich zu ihm. "Wie kamst du nur auf diese Idee mit den Steinen?"
"Wenn du mit Freude gibst, kehrt diese Freude tausendfach zurück." sagte er, stand auf und verschwand hinter der knorrigen Eiche.




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